19.03.2013

Herzensangelegenheit: Mit Mercy Ships in Guinea

Seit 1978 bringt Mercy Ships dringend benötigte medizinische Hilfe und langfristige Entwicklungs­zusammenarbeit in die Ă€rmsten LĂ€nder der Erde. Mercy Ships verfĂŒgt ĂŒber das weltweit grĂ¶ĂŸte, private Hospitalschiff, die Africa Mercy, mit einer stĂ€ndigen Besatzung von ĂŒber 400 ehrenamtlichen Mitarbeitern aus nahezu 40 Nationen.

Auf diesem Schiff hospitierte Wolke Hegenbarth einen Monat lang, um bedĂŒrftigen Menschen zu helfen und um Mercy Ships in ihrer Arbeit zu unterstĂŒtzen. Ihre EindrĂŒcke vom Aufenthalt und ihrer Arbeit hat die Schauspielerin in einem Erlebnisbericht festgehalten.

Abflug BrĂŒssel, 09.01.2013

Das Ende der Schlange beim Einsteigen macht deutlich, dass es nicht ins europÀische Ausland geht. Keine Deutschen, ein paar DÀnen und sonst nur Afrikaner.

Die Ankunft in Conakry ist aufregend. Und es riecht gut. Warm und nach Tempel. Irgendwie frisch gerĂ€uchert. Ich fĂŒhle mich sofort wohl. Durch die Immigration gibt es keine Probleme, Mercy Ships ist bekannt. Ich werde durch gewunken. Das GepĂ€ck wird schon befördert und schnell habe ich meine Tasche ausgemacht. Am Band treffe ich nun auch die „Kollegen“ wie Marilyn aus Los Angeles, die schon fĂŒnf Jahre auf dem Schiff lebt! Erst als Lehrerin fĂŒr die schiffseigene Schule und heute managt sie das Hospitality-Team. Ich schĂ€tze sie auf 60. Sie ist sehr offen, nett und lustig. Ein erster Kontakt ist gemacht. Draußen erwarten uns planmĂ€ĂŸig die anderen Mitarbeiter mit ihrem weißen Mercy Ships Landrover. Auf zum Schiff.

Es ist schon tiefste Nacht, als wir uns durch Conakry Richtung Hafen bewegen. Es erinnert mich an Mumbai. Alles lebt auf der Straße und in HĂŒtten – HĂ€user gibt es wenige – schöne oder intakte gar nicht. Durch eine von Schlaglöchern ĂŒbersĂ€te Straße geht es direkt zum Schiff. Und da liegt sie, die Africa Mercy. Im Halbdunkel der gelben Hafenbeleuchtung steigen wir aus und betreten die Gangway hoch zum Eingang. Wir sind bereit, los geht es also…
An der Rezeption ist es dann Àhnlich wie in jedem Hotel der Welt: Einchecken.

Man bekommt als Austausch fĂŒr seine Daten einen ZimmerschlĂŒssel, 3343, wo in meinem Fall schon fĂŒnf Frauen auf mich warten.

Also, auf in den Rumpf. Deck 3. Rote Treppe runter. Da es Punkt 23 Uhr ist und ab 22 Uhr Nachtruhe gilt, komme ich in eine komplett finstere Kabine. Alles schlĂ€ft und ich sehe nichts. Erst mal die Taschenlampe raus kramen. Mit eben dieser bewaffnet und meine 20 kg Tasche hinter mir herschleppend, beziehe ich also mein Bett in der zweiten Nische. Unten liegt schon jemand. Also schlafe ich wohl oben. Fein. An auspacken und sich einrichten ist nicht zu denken. Ich bewege mich, so leise es geht, erst mal zum Gemeinschaftsbad. Ein Königreich fĂŒr eine Dusche! Es ist klein aber fein. Erinnert in der Optik an eine Flugzeugtoilette.

Tag 1 an Bord der MS – 1. Arbeitstag

Am nĂ€chsten Tag treffe ich meine erste Mitbewohnerin. Mary aus den USA – Mitte 50, sehr freundlich. Sie schlĂ€ft in Nische 3. Wenn ich etwas brauche, soll ich mich melden. Gut. Danke. So, nun Tasche auspacken und meinen halben Schrank in Beschlag nehmen. Passt. Um 16 Uhr treffe ich Marylin, meine Flughafenbekanntschaft, vor dem Starbucks, dem einzigen in Afrika. Der CEO von Starbucks ist ein Förderer des Mercy Ships. Aha. Marylin und ich laufen also los. Wir starten im „mid ship“, eben der Mitte des Schiffs Deck 5. Von dort geht es noch drei Decks nach oben und drei nach unten. Auf geht’s. Ich sehe das InternetcafĂ©, den Shipshop, den Waschsalon, die CrewkĂŒche, wo jeder sich selbst bekochen kann, die Acadamy, wo die ca. 50 (!) Schiffskinder unterrichtet werden, die Bibliothek, den Fitnessraum, die Queens Lounge, die Aula, die Apotheke und den Pool (kĂŒrzlich und zu großer Freude aller Mercy Shipler, von einem/ mehreren Schweizer Privatleuten extra gespendet) ganz oben auf dem letzten Deck.

Das Krankenhaus im Schiffsbauch sparen wir aus. DafĂŒr gibt es eine extra FĂŒhrung bei Gelegenheit. Ein Tag im OP ist auch geplant. Nach knapp zwei Stunden sind wir fertig und ich habe tatsĂ€chlich so etwas wie einen Überblick.

Nach dem Abendbrot setze ich mich hoch auf die Galerie auf ein Sofa und beginne meinen Bericht. Mein erster Tag auf dem MS (Mercy Ship). Aber morgen geht es ja erst richtig los. Call Time ist 05.45 Uhr. Eigentlich nichts Neues, das kenne ich vom Dreh. Ich bin also entspannt gespannt auf Tag 1 im Speisesaal.

Abends lerne ich meine „Bunk-Mate“ kennen. Una, 56, Krankenschwester aus Schottland. Sehr, sehr nett und quirlig. Ich mag sie sofort. Ich freue mich im Bett ĂŒber Una zu schlafen und mit ihr die doch sehr kleine 2 x 2 x 2 Meter Teilkabine zu teilen.

Um 04:54 Uhr bin ich wach und warte noch sechs Minuten bis der Wecker offiziell klingelt. Auf in den ersten Arbeitstag. Jogginganzug, Turnschuhe, Kopftuch, Gummihandschuhe. Ich bin bereit. PĂŒnktlich stehe ich im Diningroom, wo die Kollegen schon routiniert ihrer zugeteilten Arbeit nachgehen.

Etrisha ist mein Teamleader aus Sierra Leone. Er teilt mich Raphaela zu, einer jungen Frau aus der Schweiz. Wir werden zum SpĂŒlen eingeteilt. Zwei IndustriespĂŒlmaschinen stehen im SpĂŒlraum. Ein „Pre-wash“ Becken und diverse Körbe, in denen die Tassen, GlĂ€ser, Teller und das Besteck gespĂŒlt werden. Etrisha zeigt mir, wie ich Wasser und SpĂŒlmittel in die Maschine bringe. Und dann geht es auch schon los. Mit dem Trolley raus in den Saal und altes Geschirr von den zweiRĂŒckgabestellen einsammeln. Dann damit in den SpĂŒlraum und los. Tassen und GlĂ€ser mĂŒssen von Hand vorgespĂŒlt werden. Teller und Besteck werden mit einem 80 Grad Duschstrahler bearbeitet. Dann geht beides ca. zwei Minuten in die jeweilige Maschine. Es macht mir sofort Spaß. Und so vergehen die drei Stunden wie im Flug. Unterbrochen von nur 20 Minuten FrĂŒhstĂŒckszeit, in der ich so gerade meinen Porridge gegessen bekomme. Aber es lĂ€uft. Raphaela und ich verstehen uns sofort und wir sind ein gutes SpĂŒlteam: 45 Minuten vor der Zeit sind wir mit allem fertig.

Ein guter Start! Jetzt haben wir zwei Stunden Pause. Raphaela geht schlafen. Ich auch. Eineinhalb Stunden taugen eine ganze Menge.

Um 10.45 Uhr klingelt mein Wecker ein weiteres Mal und um 11 Uhr steht die gesamte Mannschaft wieder zusammen. Jetzt spĂŒlt ein anderes Team. Und ich soll Fran helfen. Sie ist weit ĂŒber 60 und ihr Mann ist hier zur Zeit der Apotheker. Sie kommen seit sie in Rente sind, einmal im Jahr fĂŒr drei Monate und helfen. Schön. So stehe ich dann mit Fran hinter der Theke und der Mittagstisch wird vorbereitet. Da steht plötzlich Ken vor mir – unser aller Boss. Er fragt mich etwas verwundert: „Do you work here?“ und ich sage: „Yes“. Er guckt mich noch erstaunter an und entschuldigt sich dann: ich sei ihm durch die Lappen gegangen. Er mĂŒsse mich jetzt erst mal einarbeiten. OK. Es geht hoch in die KĂŒche. Sein Revier. Ken ist ein Bild von einem Amerikaner. Groß, sportlich, grau meliertes Haar mit einem guten Humor. Er ist sicher ein beliebter Chef. So finde ich mich also in seinem BĂŒro wieder und bekomme ein Formular ausgedruckt. Arbeitsschutz. Dazu gibt es eine Tour durch die KĂŒche. Cool. Ich bekomme jedes GerĂ€t einzeln erklĂ€rt – mit dazu gehören Feuerlöscher/ Decke, Mixer, Fritteusen, riesige Dampfkochtöpfe sowie eine ganze Batterie KĂŒhlschrĂ€nke. Spannend so eine GroßkĂŒche. Nachdem ich nun Feuer erkennen und potentiell löschen kann, geht es wieder runter in die KĂŒche zur eigentlichen Arbeit.

Von oben aus der KĂŒche kommt das Essen mit dem Aufzug zu uns runter. TĂŒr auf, Trolley mit Essen raus und auf zur Anrichte. Es gibt zwei Ausgabestellen. Eine rechts, eine links.

Davor noch eine lange Theke mit GetrĂ€nken. Tee, Kaffee, Milch, Saft und natĂŒrlich Wasser aus dem Spender. All das steht unter unserer Kontrolle und Zuwendung. Acht Menschen fĂŒr 600 Essende. Aber es funktioniert erstaunlich gut.

Um 14 Uhr ist die Mittagsschicht zu Ende. Gerade in meiner Kabine angekommen, treffe ich auf Una, die zum Pool möchte. Wunderbar, da schließe ich mich doch gleich an. Treppen hoch – die Sonne erwartet uns. Sie ist zwar durch den derzeitigen Harmattan Wind verschleiern, aber warm ist es trotzdem – bestimmt 30 Grad. Mit Blick auf Hafen bemerkt man sofort, in welch anderer Welt man sich gerade befindet. Geruch, AtmosphĂ€re und Luftfeuchtigkeit erinnern mich stark an Indien und ich fĂŒhle mich wohl.

Tag 3 an Bord der MS – 2. Arbeitstag

Da heute Samstag ist, beginnt die Schicht eine Stunde spĂ€ter. Um 06:45 Uhr. Ganz angenehm eigentlich. PĂŒnktlich treffe ich also wieder auf mein Team: Raphaela, die nette junge Schweizerin und meinen Chef Etrisha, der, wie ich heute glaube herausgehört zu haben, eigentlich Etrice heißt… oder Ă€hnlich. Ich arbeite dran. Fran, ca. 70, die Frau des Apothekers an Board. Sechs Kinder und 17 Enkelkinder – Wow. Und David, genannt King David, ein junger Mann aus Sierra Leone, mit dem ich den gemeinsamen SpĂŒldienst beginne. Ich mag den SpĂŒldienst. Er ist der hĂ€rteste Dienst jeder Schicht, aber auch der befriedigendste. Denn was sauber ist, ist sauber. Man sieht sein Tagwerk. Und es ist einfach erstaunlich, wie viel Geschirr wir da zu zweit durchschleusen…

Ich habe mir angewöhnt, nach der ersten Schicht noch mal einen „Nap“ von eineinhalb Stunden zu nehmen. So auch heute. Um 12 Uhr holt mich mein Wecker abermals aus dem Tiefschlaf.

Im Waschsalon trage ich mich fĂŒr Mittwoch ein – nach einer Woche muss hier wohl so Einiges mal gewaschen werden. Es gibt dort Listen, in die ich mich eintragen muss, zehn Maschinen und eben so viele Trockner. Denn aufhĂ€ngen kann man hier nichts. Alles muss in den Trockner. Ohnehin trocknet hier nichts im Zimmer richtig, da es auch kein Fenster gibt. Also, am Mittwoch den 16. Januar 2012 von 14-17 Uhr werde ich waschen. Gut.

15.30 Uhr. Duschen. Und auf zum Dienst. Fast schon aus Routine schnappe ich mir wieder meinen Trolley und laufe los. Prompt habe ich wieder SpĂŒldienst. Drei Stunden spĂ€ter sind tatsĂ€chlich 450 Menschen gefĂŒttert und all ihr Geschirr wieder sauber. Wow. Sechs Stunden am Tag habe ich noch nie gespĂŒlt. Willkommen in meiner neuen „TellerwĂ€scherwelt!“

Langsam aber sicher verliere ich mein GefĂŒhl fĂŒr die Zeit. WĂŒrde man mich fragen, welcher Tag heute ist, ich wĂŒsste es nicht. Meine Gedanken schwirren wirr und ungeordnet durch mein Gehirn und möchten verarbeitet werden. Da kommen mir meine zwei ersten freien Tage gerade recht. Gestern habe ich bis 08.30 Uhr „ausgeschlafen“ und wenn ich mich jetzt versuche an gestern Morgen zu erinnern, fĂ€llt es mir schon schwer. So viel passiert hier an einem Tag. Mir fĂ€llt es schwer meine Gedanken zu sortieren. Schreiben erscheint mir da sinnvoll.

Da ich das FrĂŒhstĂŒck knapp verpasst habe, geht es in eine ausgedehnte morgendliche Dusche. Wobei „ausgedehnt“ bei fĂŒnf Minuten Duschsollzeit pro Person leicht ĂŒbertrieben ist. Nach ein bisschen Rumgewusel in der Kabine – Ordnung ist hier wirklich das halbe Leben – entschied ich mich fĂŒr Chillout am Pool. Da die Sonne tĂ€glich verlĂ€sslich scheint, muss ich nur hoch auf Deck 8 und mir eine Liege suchen. Das ist am Montagmorgen kein Problem. Das gesamte Krankenhaus arbeitet Montag bis Freitag – also ist die HĂ€lfte der Leute auf dem Schiff. Vorher bin ich noch an der Rezeption und bastel mir einen Kalender. HĂ€tte ich nicht gedacht, aber ohne komme ich auch hier nicht klar. Die Dame am Empfang druckt mir also den Monat Januar auf eine Seite und entlĂ€sst mich mit meinen PlĂ€nen.

Zum einen gilt es, meine „work-shifts“ einzutragen und den Überblick ĂŒber die Arbeitstage zu behalten, zum anderen mĂŒssen die FreizeitaktivitĂ€ten geplant werden. Also auf zum dicken „Join Us“-Ordner im Mid-Ship. Ich plane fĂŒr Dienstag einen Besuch des „Eye-Screenings“, Mittwoch und Donnerstag arbeite ich, Freitag soll es ins „Hope Center“ gehen und Samstag ins Waisenhaus „Lazare“. Ok. Done.

Dann treffe ich noch meine liebe Kollegin Raphaela – sie möchte heute noch mal zu einem Craftmarket in Conakry. Ich werde sie begleiten. Um 2 Uhr geht’s los. Wow, erster Ausflug runter vom Schiff seit meiner Ankunft. Und dieses Schiff ist nicht nur unser Zuhause auf Zeit, sondern eben auch ein sicherer Hafen europĂ€isch-amerikanischer Kultur.

Raus geht’s. Erst mal zum nepalesischen Security Officer auschecken. Name, Uhrzeit und Zielort angeben. Dann ID-Karte scannen und wir können los. Die wackelige Treppe, die Gangway, runter in die bratende Sonne von Conakrys Port Autonom. Wir laufen an den „Tents“ vorbei, wo Patienten vor und nach ihren OPs versorgt werden. Wundversorgung und Physiotherapie vor allem. An unserem Gate und dem letzten Security der Africa Mercy und unserem riesigen MĂŒllcontainer vorbei, quer durch den Hafen bis vor zur Hauptstraße. Raphaela schreitet mutig voran. Sie ist erst eine Woche lĂ€nger hier, kennt sich aber offensichtlich schon ganz gut aus. Herrlich, ich trotte ihr einfach hinterher und sammele EindrĂŒcke. Und das sind einige. Alles erinnert mich an Mumbai. Vor allem der allgegenwĂ€rtige Dreck und die vielen herumstehenden und liegenden Menschen. Die Luftfeuchtigkeit und auch der wĂŒrzige Geruch in der Luft…

WĂ€hrend ich in Erinnerungen an die Dreharbeiten 2011 in Indien schwelge, erreichen wir die Stadt und winken am Kreisverkehr nach kleinen gelben Taxis. Ok, die Autos sind noch schrottreifer als in Indien! Aber der Verkehr ist Ă€hnlich dicht und regelbefreit. Es halten einige, wollen aber horrende Preise, um uns zu chauffieren. So dauert es ca. zehn Minuten bis wir ein Taxi finden, das uns fĂŒr 15.000 GNF (ca. 2 US$) zu unserem Ziel fĂ€hrt.

Indes hÀtten wir jeder mindestens einen Mann heiraten können. Ich lehne dankend ab und behaupte, dass ich verheiratet bin. Er zeigt auf Raphaela. Ich sage: die auch! Er ist traurig, aber er versteht. Au revoir.

Durch die 34°C heiße Stadt, im Auto ohne Klimaanlage, kommen wir nach ca. 15 Minuten an unserem Zielmarkt. Wobei „Markt“ schon ĂŒbertrieben ist. Vor einem Hotel (ich hĂ€tte es als solches gar nicht erkannt) gibt es ein paar HĂŒtten und StĂ€nde – vielleicht 15 an einer staubigen Straße. Es ist so hĂ€sslich wie alles andere, was ich bis jetzt von Conakry gesehen habe. Vor allem dreckig. Jedes Teil muss der HĂ€ndler erst abstauben, bevor er es uns prĂ€sentieren kann. Völlig verschwitzt machen wir uns auf den RĂŒckweg. Wieder ein Taxi suchen. Diesmal dauert es lĂ€nger. Schließlich fĂ€hrt uns ein HĂ€ndler einfach mit seinem PKW. Keine Seltenheit. Es halten auch Privatpersonen an und man fĂ€hrt dann einfach mit, zahlt und gut ist’s.

Ach ja, zwischendurch muss der Fahrer noch tanken. Also fĂ€hrt er erst mal gegen den Verkehr ca. 15 Meter die Straße runter und biegt dann bei Total ab. Eine Schlange, na klar. Wir fragen unnötiger Weise, ob es lange dauert. NatĂŒrlich nicht. Hahaha. Gut. Warten wir eben. 34°C und ein dunkles Auto in der Mittagshitze lassen uns verstummen. Jeder hĂ€ngt so seinen Gedanken und EindrĂŒcken nach, wĂ€hrend das Radio auf voller LautstĂ€rke französische NachrichtenverkĂŒndet. Bienvenue à Conakry, denke ich.

Nach zwei Stunden Abenteuer sind wir sicher zurĂŒck auf dem Schiff eingecheckt. Zwei Stunden in der Fremde – so anstrengend wie ein ganzer Nachmittag im Sommerschlussverkauf in Deutschland. Ich habe zehn Minuten Zeit, um zu duschen und die komplett schmutzige Kleidung zu wechseln. Um 16 Uhr treffe ich Esther, eine SchwĂ€bin, die sich fĂŒr zwei volle Jahre verpflichtet hat. Interessant jemanden zu befragen, der sich entschieden hat, zwei ganze Jahre auf dem Schiff zu verbringen.

So, jetzt schnell Essen, denn um 18 Uhr habe ich „Crew Ship Orientation“. Ja, noch eine. Diesmal fĂŒr alle neuen Crew-Member. Sicherheit an Bord, Schwimmwesten, Rettungsboote, Feuerlöscher, Rauchmelder, Wasserfeste TĂŒren (Titanic). Und Hygiene an Bord mit so vielen Menschen. HĂ€ndewaschen. HĂ€ndewaschen. HĂ€ndewaschen. Macht auch Sinn. Denn letztes Jahr lagen 45 Passagiere, also 10 % des Schiffs, mit Magen-Darm-Virus flach. Nicht schön auf so engem Raum. Außerdem hatte man fast aus Personalmangel das Krankenhaus schließen mĂŒssen…

Nach einer weitgehend schlaflosen Nacht stehe ich also um 04.30 Uhr auf. Um 05.30 Uhr stehe ich im Diningroom und mache mir mein FrĂŒhstĂŒck. Um 6 Uhr ist Abfahrt zum Eye-Screening. Im Dunkeln runter vom Schiff, in den Landrover und los geht‘s zum Local Hospital. Kurz vor Tagesanbruch erreichen wir den Baukomplex. Wir werden in das Security-Team aufgenommen, bekommen neongelbe Westen und jeder einen Posten zugewiesen, wie wir die Patienten durch die RĂ€ume zu schleusen haben. Dann wird kurz im Morgengrauen gemeinsam mit den Ärzten und Schwestern gebetet. FĂŒr die Patienten. FĂŒr das gute Gelingen des Screenings. Dann öffnet sich das Tor und die ersten 20 Menschen schleichen in den Hof. Viele brauchen Hilfe, da sie teilweise – und manche auch komplett – blind sind.

Draußen werden sie vom Vorab-Team schon mal grob untersucht und dann zur besseren Diagnose in den Raum hineingebeten. Oftmals kommen bis zu 1.000 Menschen zu diesen Screenings. Heute sind es ca. 100. Ich stehe im Diagnosezimmer und meine Aufgabe ist es, die untersuchten Patienten zum Ausgang zu begleiten. Ich stehe zufĂ€llig an der richtigen Stelle, denn hier kann ich die komplette Untersuchung ĂŒberblicken. Vom klassischen Sehtest, mit den nach verschiedenen Seiten geöffneten „E“s, bis zur eingehenderen Untersuchung mit Lampe und VergrĂ¶ĂŸerungsglas. Es ist ein ziemliches Durcheinander mit den Sprachen. Übersetzer helfen.

Kurz vor Schluss kommt noch eine Mutter mit ihrem ca. zweijĂ€hrigen Kind, dessen linkes Auge komplett geschwollen ist. FĂŒr mich als Laie sieht es aus wie ein Tumor unter dem Auge, der den Augapfel nach außen schiebt. Schlimm. Und wahrscheinlich kann nicht mal das Mercy Ship helfen. Was aus dem Kind wird? Stirbt es daran eines Tages? Vermutlich. Ein seltsames GefĂŒhl. Denn so ist das Leben hier in Westafrika. Sehr roh und sehr hart.

So, es ist Samstag, der 19. Januar 2013.

Ich sitze mal wieder an meinem Stammplatz im Mid Ship auf der Galerie. Links neben mir spielen zehn Mitmenschen ein Spiel, im Eck lĂ€uft Fußball oder Rugby… Ein ganz normaler Samstagabend fĂŒr die, die nicht das Schiff zum Ausgehen oder ĂŒber Nacht verlassen haben.

Ich versuche mich daran zu erinnern, was die letzten Tage passiert ist. Nach zwei normalen Arbeitstagen im Diningroom ohne grĂ¶ĂŸere Vorkommnisse… Ach doch! Feueralarm! Alle zwei Wochen gibt es donnerstags gibt es eine Übung. ALLE 450 Menschen mĂŒssen das Schiff verlassen. Die Fire- und Emergency-Teams ĂŒben den Ernstfall, löschen und evakuieren. Das Notsignal ertönt. Sieben kurze und ein laaaaaaaanger Ton. Und los geht’s runter auf Deck 5. Dort befindet sich der Ausgang zum Dock. Da das „Feuer“ aber im Mid Ship – also der Cafeteria – ausgebrochen ist, komme ich da nicht mehr durch. Ich bin verwirrt. Dann sagt mir aber einer der Kollegen, dass ich nach vorne zu den Red Stairs laufen soll und es dort noch geht. Gut, dass andere schon Jahre hier sind…

Draußen auf dem Dock muss ich nach dem Schild mit meinem Anfangsbuchstaben des Nachnamens suchen. E-J, da bin ich richtig. Ich melde mich und werde in eine Liste eingetragen. Dann warten wir ca. eine halbe Stunde in der brĂŒtenden Hitze bis alle evakuiert und alle fehlenden Personen lokalisiert sind. Die Routiniers haben Sonnenschirm, Campingstuhl und Wasser dabei. Die Kinder haben ihre SchulbĂŒcher einfach mitgebracht und versinken direkt wieder in ihren Aufgaben… Schiffsalltag eben. Ich stehe mit Susan aus dem Hospitality-Team zusammen und komme mit ihr ins GesprĂ€ch. Sie ist 25 und aus Nigeria. Wow, endlich treffe ich mal jemanden aus diesem sagenumwobenen Land… Um 16 Uhr ist Schichtbeginn in der Mensa, aber wir stehen noch draußen auf dem Dock. DafĂŒr habe ich eine Verabredung mit Susan fĂŒr Samstagnachmittag in eine Beach-Bar zu gehen! Sehr gut.

Abends um 18.30 Uhr ist noch „Open Hospital Night“, also Tag der offenen TĂŒr unten im Krankenhaus fĂŒr alle, die dort sonst nicht viel zu sehen bekommen. Lustige Verkleidung, mit Ketchup beschmierte OP-Kittel, PerĂŒcken… Ein bisschen Karneval. Man kann nĂ€hen lernen, Spritzen setzen, eine OP simulieren. Wirklich eine nette Idee. Besonders die Kids finden es super.

Ich habe meine Mitbewohnerin Mary an meiner Seite, eine Krankenschwester. Sie erklĂ€rt mir auch eine Menge zu den echten Patienten, die hinter den TĂŒren parallel versorgt werden. Man kann zu ihnen rein, sich unterhalten und mit ihnen Spiele spielen, aber ich traue mich nicht so richtig. Ich komme mir unnĂŒtz vor. Mein Französisch ist inexistent und meine Hemmschwelle den Kranken gegenĂŒber hoch. Was soll ich sagen? Wie schaut man jemandem ins Gesicht, dessen Gesicht fast komplett von einem Tumor bedeckt ist? Oder was frage ich eine Frau, der nach einer schweren Geburt ohne medizinische Versorgung nun an stĂ€ndiger Inkontinenz leidet? Ich bin gehemmt. Aber natĂŒrlich wird niemand zur Interaktion gezwungen. Ich beobachte also das Treiben und versuche einfach viele EindrĂŒcke zu sammeln.

Freitag habe ich frei und schlafe aus. Bis mich um Punkt 9 Uhr der Sandstrahler weckt, mit dem Arbeiter gerade an der Bordwand die Farbe entfernen. Das ist so unglaublich laut, dass man förmlich aus dem Bett fÀllt. Oropax sinnlos. Unterhaltungsversuche auch. Also aufstehen und duschen. Und dann setze ich mich in den Diningroom an ein Fenster mit Sonne, mache mir einen Tee, werde langsam wach und kontaktiere Freunde via Mail und SMS.

Nach dem mache ich mich auf zum Treffpunkt mit der Gruppe fĂŒr den Ausflug in eine ihrer „Ministries“. Heute geht es ins Hope Center. Dort werden die Patienten vor und oder nach ihren OPs betreut. Entweder, weil sie von weit weg angereist sind und noch auf ihren Termin warten mĂŒssen, oder weil noch Wundversorgung und Rehabilitation nach großen Tumor-OPs von Nöten ist.

Um 13.45 Uhr geht’s los. Auf in die GelĂ€ndewagen quer durch Conakry, diese furchtbar dreckige Stadt ohne jeden Charme. Nach 20 Minunten kommen wir zu einem Krankenhaus. Wenn man jetzt an ein deutsches Krankenhaus denkt, liegt man weit daneben! „Baracken“ wĂŒrde es eher treffen. Zwei Stockwerke in langen Reihen. Ein Teiltrakt wurde von Mercy Ships saniert und wird jetzt fĂŒr unsere Patienten genutzt. Nach der Abreise wird es an das Hospital zurĂŒckgegeben. Der Rest fungiert auch als Krankenhaus. Mein erster Gedanke: „Gut, dass man hier nicht hinmuss, wenn man krank ist. Seufz, wie gut es uns doch geht in Europa.“

Direkt am Eingang begegnet mir eine junge Tumorpatientin mit einem Stofflappen ĂŒber ihrem Kopf. Er bedeckt die Naht und den restlichen Tumor. Oft sind diese ĂŒber die Jahre so groß geworden, dass mehrere OPs von Nöten sind. Eine der Mitreisenden ist Krankenschwester im Schiff und sieht hier ihre Patienten wieder. Sie erklĂ€rt mir, wie toll das MĂ€dchen aussehe. Und, ganz ehrlich, in meinen Augen sieht sie sieht schlimm aus! Ihr halbes Gesicht ist deformiert. Aber vorher war es noch viel, viel schlimmer, sagt die Schwester. Puh. Ja, richtig. Step by step.

Wir setzen uns alle gemeinsam auf die schattige Veranda. Ich sehe ein MĂ€dchen ohne Nase mit einem Loch mitten im Gesicht. Nur ein schmales StĂŒck Tape quer ĂŒber dem Gesicht. Es ist die NOMA Krankheit.

Die kleinen Kinder haben meist einen offenen Gaumen. Vom Mund kann man bis in die Nase gucken. Hier glaubt man, dass solche Kinder von einem DĂ€mon besessen sind. Sie werden ausgestoßen, dĂŒrfen nicht mit anderen Kindern spielen und nicht zur Schule gehen. Man glaubt, es sei eine Strafe Gottes. In Togo sitzt der Aberglaube noch so tief, dass diese Kinder lebendig begraben werden, um den Fluch zu durchbrechen. Ich kann kaum glauben was ich höre, es ist doch nur eine Hasenscharte.

Es wurden Bastelutensilien mitgebracht und es gilt jetzt aus den Holzstielen vieler gelutschter Eis und Seidenpapier einen Altar zu basteln. Das ist gut, so kommt man in Kontakt mit den Kindern. Viele haben noch nie in ihrem Leben gebastelt und man bemerkt ihre mangelnde Koordination der Feinmotorik schnell. Aber alle machen mit. Es gibt auch MalbĂŒcher und Stifte. Die Kinder versinken in ihren Aufgaben. Ich habe lange ein Baby mit einer Hasenscharte auf dem Arm. Eben ein fast ganz normales Baby.

Immer wieder muss ich zu dem MĂ€dchen ohne Nase schauen. Wie begegnet man so jemandem richtig und in WĂŒrde? Ohne zu starren, was wirklich schwer fĂ€llt. Aber vor allem, wie lebt man ohne Nase? Manche Patienten haben schon Jahre ihre HĂŒtte nicht mehr verlassen. Völlig verstĂ€ndlich, meiner Meinung nach.

Der Nachmittag vergeht und ich bewundere die Teamleaderin dieser Activity. Sie kommt jede Woche und kĂŒmmert sich, wer auch immer gerade Zuwendung und ein wenig Unterhaltung braucht. Sehr gewissenhaft und mit viel Liebe wird den Patienten begegnet. Sie sagen, dass sie Jesus Idee folgen und niemanden zurĂŒcklassen – und es stimmt. Niemand bleibt unbeachtet, alle sind willkommen.

Es geht wieder Heim Richtung Schiff. Eine gewisse Ohnmacht befĂ€llt mich, keine Krankenschwester zu sein. Denn die können hier wirklich helfen. Und sie sind ihren Patienten so nah, begleiten sie monatelang durch den Heilungsprozess… Sie sind so wunderbar nah an den Menschen. Ich habe Scheu. Komme mir ein bisschen ĂŒberflĂŒssig vor. Denn was kann ich schon tun?

ZurĂŒck daheim, geduscht. Und auf geht’s nach dem Abendessen in den ICC, den Internationalen Club Conakry. Ein von einem Amerikaner gefĂŒhrter Club in einem alten BotschaftsgebĂ€ude. Eigentlich nur fĂŒr Mitglieder, aber er unterstĂŒtzt die Arbeit des MS und wir sind herzlich willkommen, bekommen sogar Rabatt. Mein erster Ausflug vom Schiff nach dem Sonnenuntergang. Wir machen zwei Autos voll und sind mit ca. zwölf Leuten unterwegs. Es gibt Burger mit Pommes und Chicken Wings. Es tut gut, das Schiff mal zum puren VergnĂŒgen zu verlassen. Außerdem sind drei meiner fĂŒnf Mitbewohnerinnen dabei, u.a. Emily aus Philadelphia, mit der ich noch kaum Zeit hatte mich zu unterhalten. Wir setzen uns also zusammen und ich genieße den Austausch mit der jungen Ergotherapeutin, die sechs Monate in Dresden studiert hat und sogar etwas deutsch spricht. Lustig. Ich mag sie sofort und es wird ein netter, entspannter Abend. Um 22.25 Uhr, also fĂŒnf Minuten vor unserem „Curfew“ erreichen wir unser schwimmendes Heim.

Das freie Wochenende liegt vor mir und doch klingelt mein Wecker um 7 Uhr. Denn um 08.45 Uhr geht’s los zu Lazare’s Orphanage, einem Waisenhaus in Conakry. Hier ist Mercy Ships nicht direkt beteiligt, sondern hilft mit Anwesenheit und Zuwendung bei den wöchentlichen Besuchen.

27 Kinder im Alter von null bis 13 leben dort. Wir sind ca. acht Erwachsene inklusive Übersetzer und zwei Kinder. Das Paar, das diesen Ausflug wöchentlich leitet, hat zwei adoptierte Töchter (ca. 9 und 12) aus Äthiopien. Aus einem Waisenhaus wie diesem. Wie ungewöhnlich und toll denke ich, dass die beiden MĂ€dchen eine Zeit ihres Lebens auch in Afrika verbringen und ihre Herkunft so bewusst wahrnehmen können. Auf der einstĂŒndigen Fahrt zum Ziel stellen wir uns alle vor. Mit Land, Arbeit an Bord, Dauer des Aufenthalts etc. Die Eltern sind aus Amerika und die Töchter geben Äthiopien als ihre Heimat an. Logisch, aber selten so offen gelebt gesehen wie hier…

Nach unserer Ankunft werden wir regelrecht von den Kindern ĂŒberfallen. Wir werden so sehnsĂŒchtig erwartet, dass jeder von uns sofort zwei Kinder am Bein oder auf dem Arm hat und wir kaum durch das Tor kommen. Der Bedarf nach Körperkontakt ist so immens, dass wir uns alle erst mal um die Kleinen kĂŒmmern. Vorher wurde uns gesagt, dass ca. die HĂ€lfte der Kinder HIV positiv ist… HIV positiv und Waise in Guinea… Nach ca. zehn Minuten „kennenlernen“, in denen die Kinder auch selbstgebastelte Namensschilder umgehĂ€ngt bekommen, geht es in eine Art Klassenraum. Das Haus selbst ist extrem gut ausgerĂŒstet. Es gibt viel Spielzeug, ein Bett fĂŒr jedes Kind, genug Kleidung etc. Sogar kleine, kindgerechte Tische und StĂŒhle gibt es.

Wir setzen uns auf den Boden und der Ehemann beginnt mit dem Übersetzer zusammen eine Geschichte aus der Bibel zu erzĂ€hlen und die Kinder mit einzubeziehen. Manche sind zu klein, um ĂŒberhaupt etwas zu verstehen, die grĂ¶ĂŸeren ab ca. zwei Jahren nehmen aber teil und melden sich ganz fleißig, wenn sie etwas wissen. Es geht um Freundschaft und sie werden gefragt, ob sie einen Freund/Freundin haben und diese zeigen können… Da es um König David in der Geschichte geht, basteln wir danach mit den Kindern Kronen, die sie bekleben und dann tragen. Eine wirklich schöne Idee und alle machen mit, so gut sie können. Das Kind neben mir heißt Fatou. Vielleicht drei Jahre alt . Schwer zu sagen, da alle Kinder hier nur halb so groß sind wie bei uns…

Wo sind diese Kinder in zehn Jahren? Ich bin deprimiert und frage mich nach dem Sinn des Ganzen und bewundere das guineische Ehepaar Lazare, das sich so aufopfernd kĂŒmmert und kein Kind vergessen wird. Frau Lazare kommt jeden Morgen und zieht die Kinder an und guckt, dass alle sauber und gekĂ€mmt sind. NatĂŒrlich ist es jedes Menschenleben wert, dass sich darum gekĂŒmmert wird! Trotzdem erschlĂ€gt mich die Hoffnungslosigkeit… Auf der RĂŒckfahrt bin ich ganz still und schaue aus dem Fenster auf das Elend von Conakry. Es gibt einfach nichts Schönes. Gar nichts. Nur Elend und Armut. Leben, wenn es nur ums Überleben geht – willkommen in Westafrika. ZurĂŒck auf dem Schiff gehe ich direkt zum Pool. Ich brauche Zeit fĂŒr mich und frische Luft. Beides extreme Mangelware an Bord.

Sonntag habe ich frei und auch erstmals keine PlĂ€ne. Kaum habe ich den Gedanken gedacht, macht man mich auf den Hospitalgottesdienst mit den Patienten aufmerksam. Und schwups, da ist der Plan fĂŒr den Morgen. Um 10.15 Uhr gehe ich mit meiner Mitbewohnerin Una den Flur runter ins Krankenhaus, das direkt auf unsere Etage liegt. In dem Acht-Bett Zimmer befinden sich neben den Patientinnen ca. 25 Menschen/Kollegen auf dazu gestellten StĂŒhlen. Mehr und mehr Menschen kommen, viele Frauen. Die letzten setzen sich direkt zu den Frauen ins Krankenbett. Ein schöner Anblick. Bunt gemischte Menschen zu einem ökumenischen Gottesdienst in einem Krankenzimmer auf einem Schiff in Guinea. Ich finde es schon super, bevor es ĂŒberhaupt anfĂ€ngt… Wir sind in Ward D, dort befinden sich die VVF Patientinnen. VVF steht fĂŒr Vesicovaginal Fistula. Heute ist ein besonderer Morgen, da fĂŒnf dieser Frauen heute entlassen werden. Eine der Frauen ist sechs Monate gereist, um das Mercy Ship zu erreichen! Man muss sich das vorstellen! Sechs Monate! Da sie zwischendurch arbeiten musste, um die Reise zu finanzieren, hat es eben so lange gedauert – because this is Africa! Einfach unvorstellbar. Der Gottesdienst beginnt mit Trommeln und Gesang, wunderbar lebendig afrikanisch. Dann erscheinen im Takt der Musik singend und tanzend die fĂŒnf Frauen in ihren bunten GewĂ€ndern mit Kopfschmuck. Allein das sorgt bei mir schon fĂŒr GĂ€nsehaut. Sie setzen sich in die erste Reihe und werden laut von allen Anwesenden beklatscht. Die Gebete werden mit einem lauten „Amina“ beendet und ich habe das GefĂŒhl, dass wenn Gott heute Morgen irgendwo hinschauen sollte, dann ist es hier hin! Danach werden die Damen einzeln aufgerufen und singen ihre Geschichte, die, wie der gesamte Gottesdienst, in zwei weitere afrikanische Sprachen ĂŒbersetzt wird. Es ist einfach anders, wenn man mitten zwischen den Patienten sitzt. Hört, wie sie singen und beten. Plötzlich gibt es einen Glauben losgelöst von der Religion. Religion wird hier grundsĂ€tzlich als spaltend abgelehnt – wie schlau! Also beten alle einfach zu Gott. Und es erscheint so sinnvoll fĂŒr diese Patienten zu beten. Ich wĂŒnsche ihnen all das GlĂŒck, das sie hier hatten! Nach weiterem Gesang, Trommeln, Gitarre und Tanz endet die Zeremonie mit der Entlassung der fĂŒnf Damen. Dies war mit Abstand meine emotionalste Erfahrung auf dem Schiff bis jetzt. Ich hatte mehrfach TrĂ€nen in den Augen und bin tief bewegt vom Leidensweg, aber auch dem Lebenswillen dieser Frauen. Wie weit wir doch in Westeuropa entwickelt sind! Wie gut es uns geht!! Vor allen Dingen als Frau!!!

Wir verlassen den Krankenhausteil tief berĂŒhrt und machen uns auf den Weg in einen echten freien Sonntag. Una und ich fahren mit anderen zusammen mit dem Shuttle um 12 Uhr zum Riviera Hotel in Conakry. Dort soll es einen Pool mit einer 25-Meter Bahn geben. Wunderbare Aussichten! Nach nur 15 Minuten sind wir da und es ist wahrlich eine Freude. Ein riesiger Pool und dazu spielt laut schöne Dance/Lounge Musik. Oh, wie ich die Musik vermisse! Das bemerke ich erst jetzt. Wie suchen uns eine Liege und jeder ist froh ĂŒber das bisschen Einsamkeit. Einsamkeit in der Gruppe. Selten, aber es geht, da wir alle dasselbe suchen… Also versinkt jeder in einem Buch und wir lassen uns wohlverdient die Sonne auf den Bauch scheinen. Alle und alles ist  entspannt. Zum ersten Mal fĂŒhlt sich der Sonntag auch wie ein Sonntag an. Ich genieße die Musik und die neue Location und kann förmlich zusehen, wie ich mich erhole. Herrlich.

Um 16 Uhr fĂ€hrt der letzte Shuttle zurĂŒck ins Hotel. Wir sind mit dabei. Duschen und dann auf zum Abendessen. Danach gibt es noch den normalen Sonntagsgottesdienst. Und ich habe sogar wirklich Lust hinzugehen. Anfangs dachte ich, das ganze christliche Tamtam wĂŒrde mich nerven. Aber dem ist nicht so. Im Gegenteil. Ich empfinde die Menschen hier und ihren Umgang mit ihrem Glauben als sehr angenehm.

Also sitze ich um 19 Uhr wieder mit vielen Kollegen zusammen in der „International Lounge“ auf Deck 6 und lausche den GesĂ€ngen. Ich kann nicht singen. Aber viele hier singen ganz wunderbar. Es herrscht eine schöne Stimmung.

Heute gibt es nach einem Gebet von einem nigerianischen Pastor auch noch einen Vortrag von Frau Parker. Sie ist die Frau des großen Dr. Gary Parker, der seit 23 Jahren mit ihr und seinen zwei Kindern auf diesem Schiff lebt, arbeitet und operiert. Er ist das Herz und die Seele der Africa Mercy. Alle bewundern ihn. Der Mann hat mehrere Ehrendoktor-Titel und ist international eine Institution in der plastischen Chirurgie. Sie stellt uns heute die vielen Patientinnen und ihre jeweilige Geschichte vor. Toll. Nach heute Morgen ist dies ein weiterer Einblick in ein Leben, das Mercy Ship verĂ€ndert hat.

Blessing ist elf Jahre alt, als sie auf dem Weg von der Schule nach Hause fĂ€llt. Nichts Besonderes fĂŒr ein Kind. Eigentlich. Aber es gerĂ€t Dreck in die Wunde und es gibt eine große EntzĂŒndung, die als Folge das ganze Bein anschwellen lĂ€sst und versteift. Schon schwer behindert mit dieser einen Erkrankung wird sie nun auch noch Opfer der Noma Krankheit (s.o.), in dessen Folge ihre gesamten Lippen weggefressen werden. Unter der Nase gibt es nun nur noch Zahnfleisch und ZĂ€hne. Schlimm. Sie kommt zum Mercy Ship und wird behandelt. Beides. Ihr Bein und ihr Gesicht. Es dauert Monate bis Dr. Gary ihr einen neuen Mund konstruiert und OrthopĂ€den sich um ihr schlimmes Knie kĂŒmmern können. Die Geschichte an sich ist schon tief bewegend und alle schauen gespannt auf die prĂ€sentierten Bilder. Doch dann wird Blessings Mutter nach vorne geholt, um ihre Geschichte persönlich mit uns zu teilen. Jetzt wird es hoch emotional, denn sie bedankt sich inbrĂŒnstig bei MS fĂŒr das Wunder, das sie an ihrer kranken Tochter vollbracht haben. Und sie dankt Gott fĂŒr seine UnterstĂŒtzung. Danach segnet sie noch alle, die MS helfen oder dies möglich machen und sich um die Armen und Vergessenen in Afrika kĂŒmmern.

Mann, schon wieder muss ich weinen. Und sie sagt einen entscheidenden Satz: Niemand konnte ihr helfen. Niemand. Nur das Mercy Ship. Und so ist es. Hier werden Menschen behandelt, die sonst absolut KEINE Hoffnung haben. Und wenn das MS ihnen nicht helfen kann, kann es keiner. Diese FĂ€lle sind die schlimmsten. Wenn Menschen oft lange und mĂŒhsame Anreisen haben und ihnen dann nicht geholfen werden kann… FĂŒr nicht wenige ist das ein Todesurteil. Seufz… Auch diesen Gottesdienst verlasse ich gestĂ€rkt und erfĂŒllt. Alle hier wissen, warum sie freiwillig etwas tun und was sie tun. Es sind Geschichten wie die von Blessing, die uns alle hoch motiviert in die neue Woche starten lassen. Was fĂŒr ein Sonntag!

Montagmorgen um 05.15 Uhr klingelt der Wecker und ich bin bereit. Berge von Geschirr erwarten uns und wir machen uns auf in den Kampf gegen den Dreck und fĂŒr ein schönes sauberes FrĂŒhstĂŒcksbĂŒffet fĂŒr 450 Menschen. Ja, doch auch unser Einsatz ermöglicht es den Schwestern und Ärzten sich voll und ganz ihrer Arbeit zu widmen. Alles ist gut auf der Africa Mercy an diesem Montagmorgen.

Wirklich spannend ist mein Plan fĂŒr Mittwoch, 23.01.2013.

Ich werde zum ersten Mal in meinem Leben einer Operation beiwohnen. Jedem Mitarbeiter der Africa Mercy wird angeboten, einmal live dabei zu sein. Gerade fĂŒr alle Nicht-Mediziner ein echtes Highlight. Aber auch Mediziner sehen hier Sachen, die man zu Hause gar nicht oder nur sehr selten sieht. Also allgemein spannend! Bevor es losgeht, lĂ€dt mich meine Mitbewohnerin Mary noch ein, mit in den A Ward zu kommen, wo um 7 Uhr morgens immer die Augenklappen nach den Grauer-Star-Operationen abgenommen werden und die Patienten oft erstmals seit Jahren wieder sehen können. Was fĂŒr ein Morgen. Um 7 Uhr ist Schichtwechsel bei den Schwestern. Wir warten also die Übergabe ab. Danach wird ein kurzes Gebet fĂŒr das Wohl der Patienten allgemein und besonders fĂŒr die heute zu operierenden gesprochen. Auch hier kann ich mich sehr gut damit identifizieren. Ich wĂŒnsche mir auch, dass allen Patienten geholfen werden kann und sie die Prozeduren gut ĂŒberstehen. Ich darf erleben, wie der ersten Patientin, einer DreijĂ€hrigen, die Augenklappe aus Plexiglas, die nach der OP gestern die Augen beschĂŒtzt hat, abgenommen wird. Es folgen ein fĂŒnfjĂ€hriger Junge und ein elfjĂ€hriges MĂ€dchen. Bei Kindern werden im Gegensatz zu den Erwachsenen immer beide Augen operiert, da nur so das Gehirn die Möglichkeit hat, diesen Sinn wiederzuerkennen und zu bedienen. Es werden verschiedene Sehtests mit ihnen durchgefĂŒhrt. Man schaut, ob sie beispielsweise einem kleinen Fisch in der Hand der Schwester mit den Augen in alle Richtungen folgen können, ob sie Tiere in BilderbĂŒchern erkennen und bezeichnen können und ob sie Buchstaben erkennen und lesen können. So sie denn ĂŒberhaupt je lesen konnten… Ca. 50% der Guineer können das nicht. Nachdem auch der behandelnde Arzt mit seiner Visite fertig ist und allen drei Kindern eine gelungene OP bescheinigt, löst sich die kleine Gruppe der Zuschauer auf und ich mache mich auf den Weg nach oben zum FrĂŒhstĂŒck.

Um Punkt 09.30 Uhr stehe ich also in meinen „Scrubs“ und meinen OP-Klamotten an der TĂŒr zum OP-Trakt, den man nur mit eben solchen ĂŒberhaupt betreten darf. Mit mir steht noch Mark da, der dritte Offizier an Bord. Auch er hat heute frei und nutzt diese einmalige Gelegenheit. Doppelpremiere also.

Wir werden eingewiesen nichts anzufassen, uns am Rand zu halten und ĂŒberhaupt nur zu tun, was man uns sagt. Logisch, macht Sinn. Ach ja, wenn uns schlecht wird, an die Wand lehnen und dort hinsetzen. Danke fĂŒr diesen Hinweis. Schluck. Ganz in blau mit OP-KĂ€ppchen auf dem Kopf geht es nun los. Die Spannung steigt.

Den ersten OP-Saal, in den wir gefĂŒhrt werden, betrete ich mit gemischten GefĂŒhlen. Schaffe ich das? Was werde ich ĂŒberhaupt sehen? Ich hoffe einfach, dass ich nicht in Ohnmacht falle. Mark und ich sind beide aufgeregt, als wir uns erst mal wie angewiesen an die Wand stellen. Die „operating nurse“ Herta aus Kanada nimmt uns in Empfang und zeigt uns, wo wir stehen können. Auf dem Operationstisch liegt ein vierjĂ€hriges MĂ€dchen mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Ein französischer Chirurg, Dr. Martin, ein indischer AnĂ€sthesist und eine niederlĂ€ndische Schwester arbeiten am Gesicht des MĂ€dchens. Ich entscheide mich, zunĂ€chst nicht direkt in die Wunde zu schauen. Also unterhalte ich mich mit dem AnĂ€sthesisten und er erklĂ€rt mir, dass ich mir die AnĂ€sthesie wie einen Flug vorstellen soll. Er ist der Pilot, der Patient der Flieger. Bevor es los geht muss alles klar sein. Die Strecke, die geflogen wird, die Höhe, die geflogen wird, Ankunftszeit und was unterwegs eventuell an Turbulenzen zu erwarten sind. Klingt sinnvoll. Und erst wenn all das klar ist, beginnt er mit der AnĂ€sthesie.

So langsam gewöhne ich mich an die fremde Umgebung, riskiere einen ersten Blick in das kleine hĂŒbsche Gesicht des MĂ€dchens. Es schlĂ€ft friedlich. Nur der Mund blutet natĂŒrlich. Dr. Martin ist gerade dabei, die Gaumenspalte zu schließen.Oh weh, lieber nur kurz gucken. FĂŒr 9.30 Uhr am Morgen reicht mir dieser fast harmlose Anblick schon völlig aus. Nach dieser wunderbaren Einleitung gehen wir ans Fußende und schauen aus der Entfernung zu, wie nun auch die Lippe neu vernĂ€ht wird. Nach vielleicht 15 Minuten im Saal ist er fertig. Das Ergebnis ist eine perfekte Lippe! Nur kleine FĂ€den kĂŒnden von der noch eben offenen Spalte. Die Schwester klebt noch zwei kleine Pflaster auf die Naht und der AnĂ€sthesist beginnt mit dem Sinkflug. Sie wird noch im OP wieder aufwachen und man wird sie ein paar Dinge fragen, um zu sehen, ob sie „gut wieder gelandet“ ist. Wir dĂŒrfen nicht dabei sein, wenn sie aufwacht, um sie nicht zu erschrecken oder zu verwirren. Wer möchte schon gerne Zuschauer bei seiner OP haben!?!

Wir verlassen beeindruckt den OP und werden prompt in den nĂ€chsten geleitet. Der Eye-Room erwartet uns mit einem anderen Konzept. Zwei RĂ€ume nebeneinander, die VerbindungstĂŒr offen. In jedem der beiden RĂ€ume arbeiten ein Augenchirurg und drei Schwestern. Schwester Bettina aus Metzingen nimmt uns in Empfang. Wir können an eben dieser offenen TĂŒr stehen und in beide RĂ€ume gut einsehen. Auf Plasmamonitoren sieht man jeweils, was der Chirurg sieht. Ein 100fach vergrĂ¶ĂŸertes Auge. BildschirmfĂŒllend. Allein das ist schon spannend. So detailliert schaut man sonst niemandem in die Augen. Die Patienten, erfahren Mark und ich, sind bei vollem Bewusstsein. Sie laufen selbstĂ€ndig bis zu ihrer Liege, im Falle eines komplett Blinden wird er natĂŒrlich geleitet. Kaum liegen sie, kommt eine der Schwestern und prĂ€pariert die LokalanĂ€sthesie. Dazu wird das AnĂ€sthetikum unter dem Auge hindurch hinten in den Sehnerv gespritzt. Ein „Aua!“ schießt mir durch den Kopf. Aber die Patienten tragen es mit Fassung… Wenn man bedenkt: fĂŒr diese unangenehme Spritze bekommen sie ihr Augenlicht zurĂŒck.

Ein Chirurg „bearbeitet“ zwei PlĂ€tze. WĂ€hrend er also ein Auge heilt, wird auf dem anderen Bett schon der oder die NĂ€chste vorbereitet. So wurden hier gestern 31 Augen-OPs vollzogen. Beeindruckend. Jetzt ist der Herr vorne auf der Liege dran und wir beobachten genau, wie der litauische Chirurg, mit neuem Kittel und Handschuhen ausgestattet, Platz nimmt. Ein riesiges Zeiß-Mikroskop an einem Teleskoparm, das an der Decke hĂ€ngt, hilft ihm bei der OP. Er zieht es in die passende Position und schon erscheint das trĂŒbe, grau-blaue Auge auf dem Schirm. Man erkennt sofort, dass es sich um kein gesundes Auge handelt, auch als Laie. Uns werden in einem kleinen Becherchen herausoperierte „cateracts“ gezeigt. TrĂŒbe, dicke, deformierte und vor allem völlig undurchsichtige Linsen schwimmen darin. Kein Wunder, dass diese Patienten nicht sehen können… Jetzt beginnt die eigentliche OP: mit mikroskopisch kleinen Instrumenten wird zuerst in die Haut direkt neben der Iris geschnitten. Dann arbeitet er sich langsam Richtung Zentrum vor. Er muss unter der Iris die befallene Linse erreichen, loslösen und dann herausziehen. Das ist wirklich ein extrem spannender Prozess, den wir stumm und gebannt am Monitor verfolgen. Hat er die Linse und alle noch so kleinen Faserreste entfernt, bekommt der Patient eine neue, kĂŒnstliche Linse in der fĂŒr ihn passenden StĂ€rke eingesetzt. Sie sieht aus wie eine Minikontaktlinse mit 2 kleinen Ärmchen, mit denen sie sich im Auge festhalten wird, genau dort, wo vorher die natĂŒrliche Linse saß… Erstaunlich, was heute alles geht. Wirklich.

Die Linsen und das gesamte OP-Geschirr werden von einer amerikanischen Firma gesponsert. DafĂŒr arbeiten deren Mitarbeiter an eigentlich freien Samstagen. FĂŒr das Mercy Ship. FĂŒr mittellose Afrikaner. Toll!

Nachdem die neue Linse also eingesetzt ist, wird mit einer elektrischen Pinzette die Naht verödet. Den Rest heilt das Auge selbst. Er nÀht einfach alles wieder zusammen. 15 Minuten spÀter ist er fertig. Da der Patient wach ist, steht er einfach auf und geht. Der NÀchste bitte.

Im Nebenraum operiert Dr. Strauß, einer der Ärzte, die fest mit Frau und Familie auf dem Schiff leben, einen Mann, der blind UND taub ist. Oh Mann. Ich frage mich, wie man ihm erklĂ€rt, was mit ihm passiert? Die Spritze hinters Auge, das wache Liegen wĂ€hrend der OP. Das Stillhalten? Ich weiß es nicht. Aber die lokale Schwester bleibt die gesamte OP-Dauer bei ihm und berĂŒhrt ihn am Bein. Wahrscheinlich damit er weiß, dass alles ok ist. Trotzdem eine grauenhafte Vorstellung, nicht zu verstehen, was da mit einem passiert… Aber auch ihm wird ein Augenlicht geschenkt werden. Und damit seine Behinderung stark reduzieren. Immerhin. Ich gucke mich um, schaue auf alle diese Menschen. Sie sind hier aus NĂ€chstenliebe. Zahlen ihren Flug und Unterkunft selbst, um fremden Menschen in einem der Ă€rmsten LĂ€nder der Welt zu helfen. Respekt.

Und uns erwartet ein neues Abenteuer. Dr. Gary Parker gewĂ€hrt uns Einblick in sein Schaffen. Vor diesem Abenteuer ist allerdings Mittagessen angesagt. Auch das kommt uns absurd vor. Aber so ist es. Also gehen Mark und ich hoch in die Kantine und essen. Große Überraschung: ich kann nach diesem aufregenden Morgen sogar essen! Nicht viel, aber eine kleine Portion Kartoffelbrei und Bohnen wird verspeist. Schweigend allerdings. Dann geht es wieder runter zu Dr. Parker. Und das ist wirklich etwas Besonderes. Der Mann ist eine lebende Legende auf diesem Schiff und unter plastischen Chirurgen hoch anerkannt. Er macht die Max Facts. Das sind ĂŒber die Jahre zu riesigen Gebilden herangewachsene Tumore. In der westlichen Welt werden diese frĂŒh erkannt und behandelt. Hier aber nicht. Unvorstellbar fĂŒr uns, Alltag in Guinea. Dr. Parker hilft diesen Menschen und befreit sie von ihrer Last. Ein völlig neues Leben beginnt schon mit dem Boarden des Schiffes. Alle sind freundlich und liebevoll mit den Patienten, egal wie entstellt sie sind. Viele leben ein Leben in Einsamkeit am Rande der Gesellschaft. Manche gar haben ihre HĂŒtten Jahre nicht mehr verlassen. Der Glaube an DĂ€monen ist weit verbreitet und mit solchen möchte niemand Kontakt… Mit dem Weg aufs Mercy Ship Ă€ndert sich fĂŒr diese Menschen alles. Man freut sich auf sie. Freut sich, ihnen helfen zu können. Sie werden angefasst, in den Arm genommen und ihre Schwestern begleiten sie durch diese besondere Zeit. Eine Reise fĂŒr alle Beteiligten. Heute dĂŒrfen wir also eine dieser großen, sechsstĂŒndigen OPs ein wenig beiwohnen. Nach Eintritt in den Saal werden wir von Schwester Tina aus Cottbus empfangen. Wieder wird uns gesagt, wo wir stehen können, ohne zu stören und dass wir uns setzen sollen, wenn uns schlecht wird. Sie zeigt uns ein Foto des Jungen vor der OP. Ein extremgroßer Kiefer wĂ€chst hinunter bis zum Hals. Er ist ein Leben lang gewachsen. Ich schĂ€tze den Jungen auf 18 Jahre. Jetzt liegt er dort, ohne Kiefer und momentan wahrlich ohne Gesicht. Ich bin einfach nur sprachlos. Mein Gehirn kĂ€mpft noch mit der Vorstellung, dass dort ĂŒberhaupt ein Mensch liegt. Und noch unbegreiflicher, dass dieser noch lebt. Und weiter leben wird… Immer wieder versuche ich das Unfassbare zu erfassen. Dr. Parker macht sich jetzt an den neuen Kiefer. Aus Titan, dem einzigen Metall, das die FĂ€higkeit besitzt, mit menschlichem Gewebe zu verwachsen, passt er eine vorgefertigte Schiene an. Diese Schiene wird das GerĂŒst, das Fundament fĂŒr seinen neuen kĂŒnstlichen Unterkiefer sein. Dr. Parker nĂ€ht die Zunge vorne an den Unterkiefer. Ein groteskes Bild entsteht. Mitten aus dieser Fleischmasse ragt nun ein metallener Unterkiefer, der von Dr. Parker auch noch bewegt wird. NatĂŒrlich, er muss ja wissen, ob alles passt… Puh. Nun ist die Arbeit fĂŒr heute getan. Der Tumor ist entnommen, die Titanschiene eingesetzt. In drei Wochen geht es weiter. Dann wird Knochen aus seiner HĂŒfte entnommen, um einen neuen Kiefer zu formen. Der Knochen wird um die Titanschiene eingesetzt und wird mit dieser verwachsen. Eines Tages, in nicht allzu ferner Zukunft, hat dieser Junge ein neues Gesicht. Es ist ein Wunder. Ein medizinisches Wunder, dass so etwas möglich ist. Es lebe die plastische Chirurgie, wo sie wirklich nötig und sinnvoll ist!

Es fĂ€llt mir wirklich schwer, das GefĂŒhlschaos zu beschreiben, mit dem wir nach viereinhalb Stunden den OP-Trakt wieder verlassen. Es ist von allem etwas. Beeindruckt, fasziniert, schockiert, ĂŒberwĂ€ltigt. Ja, das ist es. Ich bin ĂŒberwĂ€ltigt. Wir haben heute Morgen Patienten gesehen, die Nicht-Mediziner ĂŒberhaupt nicht sehen und auch nicht alle Mediziner je sehen werden! Ich fĂŒhle mich reich beschenkt von dieser Erfahrung. Ich bin dankbar. Der 23.01.2013 ist definitiv „a day to remember“!

Da das Erlebte locker fĂŒr mehrere Tage reicht, bemĂŒhe ich mich in den nĂ€chsten nicht um besondere AusflĂŒge oder Ähnliches. Ich gehe auf ein Arbeitswochenende zu. Freitag bis Sonntag. Da es aber mein letztes Wochenende ist, bitte ich Idrissa, mir den Samstag frei zu geben. Denn nur samstags und sonntags besteht die Möglichkeit, eine der umliegenden Inseln mit dem Boot zu besuchen. Zusammen mit Susan, meiner neuen nigerianischen Freundin, mache ich mich also am Samstagmorgen um 09.15 Uhr auf den Weg runter in den Hafen. Die kleine Pirogge hĂ€lt direkt vor der Africa Mercy und um 09.30 Uhr sitze ich mit 13 Kollegen in dem kleinen Holzboot. Es werden Schwimmwesten an alle verteilt fĂŒr alle und dann geht es los. Raus aus dem Hafen, ein kleines StĂŒck ĂŒbers offene Meer, wo es ein wenig schaukelt und wir ab und an von einer Welle nass gespritzt werden, hinein in die Kette der fĂŒnf Inseln.

Nach einer Stunde Fahrt stranden wir im wahrsten Sinne des Wortes in Roome. Es gibt keinen Hafen und auch keinen Steg. Wir fahren einfach so lange bis das Boot auf Sand auflĂ€uft. Dann Schuhe aus, Röcke hoch und auf ins Wasser, noch fĂŒnf Meter bis zum Strand.

Der Anblick ist herrlich. Feiner, gelber Sand, Palmen und andere große, tropische Pflanzen erwarten uns. Sofort fĂ€llt auf: es ist sauber. Kein MĂŒll liegt herum. Wow. Nach Conakry, das im Dreck zu versinken scheint, eine echte Erholung fĂŒrs Auge. Wir machen uns auf, quer ĂŒber das kleine Eiland auf die andere Seite. Dort hat sich ein kleines Hotel mit hĂŒbschen weißen Bungalows angesiedelt. Ein wirklich makelloser Sandstrand, leer und tropisch. Die selten zu sehende Schönheit von Guinea löst bei mir ein GlĂŒcksgefĂŒhl aus. Was fĂŒr ein wunderbarer Samstag! Welch Segen, heute hier sein zu können!

Wir legen uns an eine der StrandhĂŒtten, die man fĂŒr den Tag oder auch ĂŒber Nacht mieten kann. Wie schön! Es ist ein Genuss und eine wunderbare Abwechslung zum turbulenten Schiffsalltag. Wir werden schon jetzt gefragt, was wir zu Mittag essen möchten. Alles hier dauert ein wenig, auch die Vorbereitungen fĂŒr das Essen. Aber egal, es ist frĂŒh und wir haben Zeit.

Jeder geht seinen Passionen nach, dankbar fĂŒr Platz, Sonne und frischen Wind um die Nase. Ich bin sofort im Wasser! Es ist herrlich das Salzwasser auf der Haut und den Sand zwischen den Zehen zu spĂŒren! Ein paar fliegende HĂ€ndler kommen vorbei und bieten ihre Waren feil… Sie wohnen in dem einzigen Dorf der Insel, ca. 600 Bewohner gibt es. Viele gehen zum Arbeiten nach Conakry. Diese jungen MĂ€nner leben hier und verkaufen, wenn sie nicht fischen gehen, handgemachte Waren an die wenigen Touristen. Ich sehe schöne Patchworkstoffe und kaufe einen, da ich zu Hause zwei große Kissen nĂ€hen lassen möchte. Zum ersten Mal muss ich wirklich mein Französisch hervorkramen. Es ist beschĂ€mend, wie schlecht es ist… Aber der nette junge Mann versteht mich trotzdem und wir schaffen eine kleine Unterhaltung. Immerhin. Er ist froh und glĂŒcklich, dass ich zuletzt zwei Stoffe nehme und zieht weiter. Unaufdringlich und freundlich. So mache ich gerne GeschĂ€fte.

Zwischen lesen, schwimmen und ein bisschen Fisch essen verfliegt die Zeit… Um 15 Uhr ist Abfahrt und unsere kleine Reisegruppe trifft sich wieder an der Anlegestelle. Wieder Röcke hoch, Schuhe aus und zurĂŒck ins Boot geklettert. Der Wind ist noch stĂ€rker als heute Morgen und wir bereiten uns mental auf eine etwas schunkelnde RĂŒckreise vor. Es ist still an Bord. Jeder ist wohl mit seinen Gedanken beschĂ€ftigt. Oder wir genießen einfach die seltene Stille, wĂ€hrend das Boot sich langsam mit nur einem kleinen Motor zurĂŒck Richtung Conakry quĂ€lt. Wir brauchen eineinhalb Stunden fĂŒr die paar Kilometer… Aber ich finde es wunderbar draußen auf dem Meer zu sein.

Sonntag, nach der Arbeit bekomme ich von Denis, dem litauischen Mechaniker, eine FĂŒhrung durch das Herz des Schiffes, den Maschinenraum. Wir steigen zwei Decks hinab in die Tiefen des Rumpfes. Dann öffnet er die erste TĂŒr, die in den Kontrollraum fĂŒhrt. Ein riesiges Wandpanel an dem viele Anzeigen und Barometer blinken. Hier wird der Strom der vier Generatoren ĂŒberwacht und verteilt. Es laufen immer nur zwei. Und trotzdem verbrauchen alle Maschinen an Bord nur 56% ihrer KapazitĂ€t. Sieht gut aus. Kein Stromausfall in Sicht. Es geht weiter in den nĂ€chsten Kontrollraum. Hier werden die eigentlichen Schiffsmotoren gesteuert. Oben auf der BrĂŒcke und hier unten „im Keller“ gibt es exakt das gleiche Steuerinstrument. Falls eins ausfĂ€llt, kann das andere das Schiff noch steuern…

Und jetzt geht es ans Eingemachte. Der eigentliche Maschinenraum. Wir beginnen im Bug. Dort befinden sich die Wassertanks fĂŒr die Sprinkleranlage sowie die Frischwassertanks und die Aufbereitungsanlage. Das Wasser wird mehrfach gefiltert und dann noch mit UV-Licht bestrahlt, bis alle Bakterien tot sind. Besser ist es in Conakry… Dann kommen weiter hinten die vier erwĂ€hnten Generatoren. Sie machen einen ohrenbetĂ€ubenden LĂ€rm, deswegen kann mir Dennis parallel dazu nichts mehr erklĂ€ren. An verschiedenen WerkstĂ€tten vorbei geht es immer weiter Richtung Heck. Wir passieren die kleine MĂŒllverbrennungsanlage fĂŒr alle AbfĂ€lle aus dem Krankenhaus. Dann wird es richtig groß: ich stehe vor den vier Schiffsmotoren. Jeder hat die GrĂ¶ĂŸe einer Dampflok. GleichmĂ€ĂŸig verteilt auf beide Seiten bedienen jeweils zwei von ihnen eine Schiffsschraube am Heck. 800 Tonnen Benzin tankt die Africa Mercy voll… Sieben Tonnen pro Tag gehen allein fĂŒr 24h Stromverbrauch drauf. 20 weitere Tonnen frisst das Schiff, wenn es fĂ€hrt. Ganz schöne Mengen, in denen hier gerechnet werden muss… Beeindruckend, welche Kraft hier unten versammelt ist.

Ganz als letztes im Heck liegt noch die Betankungsanlage und ihr Filtersystem, um die Motoren möglichst rein zu halten. Dann sind 152m Schiff zu Ende. Hier unten ist die einzige Stelle, wo man vom Bug bis zum Heck schauen kann. Jetzt kenne ich das Schiff wirklich von Kopf bis Fuß.

Montagmorgen sind Deborah und ich zu einem letzten gemeinsamen Einsatz verabredet: die „Dental Clinic“ steht als letztes MS-Projekt außerhalb des Schiffes auf dem Programm. Ich freue mich, auch diesen Teil der Arbeit sehen zu können. Um 8 Uhr sind wir wieder mit den weißen GelĂ€ndenwagen unterwegs zur nahegelegenen Klinik.

Montags und donnerstags ist „Screening Day“. Das bedeutet, alle Menschen, die zahnĂ€rztliche Hilfe benötigen, können kommen und sich in die Schlange stellen. Und das sind heute ein paar Hundert. Wahnsinn, die ganze Straße runter stehen Menschen. Links die MĂ€nner, rechts die Frauen, Kinder in der Mitte. Da es frĂŒher immer zu Rangeleien um die besten vorderen PlĂ€tze kam, wurde ein neues System eingefĂŒhrt. Die Ärzte gehen nicht von vorne nach hinten durch die Reihen, sondern nach dem Zufallsprinzip. Mal wird hinten, mal mittig mit der Ansicht der MĂŒnder begonnen. Das hat sich herumgesprochen und die Patienten warten artig und völlig ruhig in der Schlange.

Ich darf das Screening-Team durch die Reihen begleiten. Menschen mit akuten EntzĂŒndungen und Schwellungen im Gesicht werden als erstes aus der Schlange genommen und dĂŒrfen gleich rein in die Klinik. Auch werden immer alle anwesenden Kinder behandelt. Nur bei den Erwachsenen kann es aufgrund der großen Anzahl dazu kommen, dass sie vor Donnerstag keinen Termin bekommen…

Dann mĂŒssen sie wiederkommen und es erneut versuchen. Zweimal die Woche ist hier also ein solcher Auflauf. Es wundert mich nicht mehr, als ich erfahre, dass es in Guinea keine ZahnĂ€rzte gibt! Gar keine? Nein. Oh. Dazu die mangelnde Bildung und die damit verbundene, fehlende Mundhygiene. Die ZĂ€hne in den MĂŒndern, die sich uns öffnen, sind in katastrophalem Zustand! ALLE haben Karies, fast keiner hat noch alle ZĂ€hne. Es ist ein Bild des Grauens, das nur annĂ€hernd auf das Leid und die Schmerzen dieser Menschen blicken lĂ€sst. Puh. Nachdem also alle Termine fĂŒr heute, Dienstag und Mittwoch zufĂ€llig vergeben wurden und alle, die dafĂŒr farbig passenden ArmbĂ€ndchen mit Datum und Uhrzeit erhalten haben, löst sich die Menge auf und wir gehen alle in die Klinik. Es sind eigentlich nur drei miteinander verbundene RĂ€ume. Eine kleine Rezeption zur Akkreditierung und zwei Behandlungszimmer mit insgesamt acht BehandlungsplĂ€tzen. Hier arbeiten nun die ZahnĂ€rzte und Schwestern im Akkord. In den meisten FĂ€llen können die ZĂ€hne nur noch gezogen werden. Und so purzeln nicht selten zehn gammelige ZĂ€hne auf das Tablett vor den Patienten. Ich finde den Anblick schwer ertrĂ€glich. Überall schmerzverzerrte Gesichter, Geruckel und Gewackel beim Ziehen der ZĂ€hne…

Draußen vor der TĂŒr ist ein großes Zelt aufgebaut und auf den BĂ€nken darunter sitzen die wartenden Patienten und bekommen Grundkenntnisse in Biologie des Mundes und Zahnpflege allgemein. Ich erinnere mich an meinen Kindergarten, wo wir als VierjĂ€hrige dieselben Videos und ErklĂ€rungen bekamen. Hier sitzen Erwachsene und hören dies zum ersten Mal… Ein Einblick in eine Welt, die mit der uns bekannten nur wahnsinnig wenig gemeinsam hat… Im Jahr 2013 leben viele Afrikaner noch im Mittelalter und sind ebenso schlecht medizinisch versorgt.

Und schon ist der letzte Arbeitstag nah… Mittwochabend ist Abreise… Ein letztes Mal klingelt der Wecker um 05.15 Uhr und ich mache mich noch verschlafen auf den Weg zum zweiten Deck nach oben in die Kantine. Ein schönes GefĂŒhl. Ich bin bereit, nach Hause zu fahren. Mein Aufenthalt war weder zu kurz noch zu lang… Alles, was es beinhalten sollte, war dabei. Zum einen, mich selbst bescheiden zurĂŒck zu nehmen und absichtlich einen Job „im Rahmen meinerFĂ€higkeiten“ zu machen und diesen mit Hingabe fĂŒr die gute Sache zu tun. Dienstleistung einmal anders. Zum anderen in jeder freien Minute alles ĂŒber das Mercy Ship zu erfahren. Die Arbeit der Menschen an Bord kennen- und schĂ€tzen zu lernen. Bereiche betreten, die sich mir sonst niemals eröffnet hĂ€tten. Von Ärzten und Schwestern direkte Erlebnisse von der Patientenfront zu erfahren und zu versuchen, diese emotional zu begreifen und meinen Horizont zu erweitern. All das hat meinen Aufenthalt zu genau dem gemacht, was er sein sollte. Eine Reise in eine andere Welt. In jedem Sinne…

Zum Abschied gibt es noch eine kleine Überraschung. AnlĂ€sslich meines letzten Tags wird um 15 Uhr eine kleine „Ice Cream Party“ veranstaltet. Das gesamte Diningroom-Team kommt noch einmal zusammen und verabschiedet mich.

Da der Glaube die meisten dieser Menschen hierher gefĂŒhrt hat, wird abschließend fĂŒr mich gebetet. Ich kann sagen, dass dies einer der emotionalsten Momente fĂŒr mich war. Noch nie zuvor haben mir so viele Menschen so viel Gutes gewĂŒnscht. Ehrlich von Herzen mich gesegnet. Es berĂŒhrt mich in der Seele, dass ich diese Menschen scheinbar berĂŒhrt habe – und sie mich ganz sicher. Zum Schluss bestĂ€tigt man mir mehrfach, dass ich eine wunderbare Kollegin bin und jederzeit bitte gerne wiederkommen darf.

 

Beschließen möchte ich diesen Reisebericht gerne mit Nelson Mandelas Worten:

„We must use time wisely and forever realize that the time is always right to do right.“

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Und vielen Dank an Debra Bell fĂŒr die wunderbaren Fotos!